Willkommen auf der Internetseite der DKP Dortmund
Willkommen auf der Internetseite der DKP Dortmund

Notizen von Wolfgang Richter für eine Podiumsdikussion


                        Schattenseiten einer Stadtteilaufwertung –

                              Gentrifizierung am PHOENIX See?

Das Thema ist Bewegung am Markt, es geht um Eigentum – um Eigentum an Grund und Boden, unbebautem oder bebautem. Solches Eigentum in privater Hand ist das Größte, größer als Autos, Frauen, Arbeitskräfte, Tagelöhner und all der andere Kram, den man kaufen kann. Es ist von so zentraler Bedeutung für das Funktionieren der Gesellschaft wie das Eigentum an Produktionsmitteln - die Immobilie ist selbst Produktionsmittel in der Warenwelt.

Alle wissen, privater Grund und Boden kann nicht einfach liegen bleiben - Kapital, das nicht arbeitet, verdient seinen Namen nicht. Stimmt die Rendite, geht Gewinnerwartung über Leichen, ist die Rendite nicht so toll, müssen die Lose groß genug gemacht werden … Es ist dies der Grund dafür, dass die Kaufstätten im Stadtraum, die Logistikbetriebe auf der grünen Wiese, die brandungeschützten Fabriken in der Ferne, die Verkehrssysteme immer größer, raumgreifender und zerstörender werden.

Wir sprechen über Kapitalismus. Wer ihm alles anvertraut und ihn regellos laufen lässt, darf sich nicht wundern, wenn er die Welt so zurichtet, wie er sie braucht. Dazu gehören großes Eigentum, das Oben und Unten, die Clans der Mächtigen, soziale Polarisierung und politische Ausschlüsse.

Planung kann dem nicht entgehen. Das planerische Leitbild "soziale Mischung" war und ist eine Konstruktion für die urbane Öffentlichkeitsarbeit, in der Realität spielt es keine Rolle außer der Hilfe beim Verschleiern tatsächlicher Entwicklungen. Soziale Vertreibung wenig erwünschter oder gänzlich unerwünschter Teile der Stadtbevölkerung ist Teil jeder "Aufwertungspolitik". Oft fand und findet sie unbemerkt in kleinen Losen statt, selten so unübersehbar im großen Los wie hier am eigens geschaffenen See. Gelegenheit macht Diebe, die landfressende Arbeitsgesellschaft der Montanindustrie hatte, ökonomisch erst einmal gründlich zerstört, die Gelegenheit geliefert. Öffentliche und private Unternehmen haben sie genutzt.  

Dass sich Wohnungsbaupolitik heute – wie man auch hier sieht - so sehr auf die oberen Einkommenssegmente konzentriert, ist Teil der rigorosen Umverteilung des gesellschaftlich erarbeiteten Eigentums zugunsten einkommensstarker Gruppen und Ausdruck der Verarmung der öffentlichen Hand. Die Unfähigkeit, auch für weniger Begüterte Ressourcen bereitzustellen, ist nicht Zufall, das ist kein bedauerlicher Fehler im System oder ein unliebsames Nebenergebnis, sondern bewusst so hergestellte und mit jeder Einweihung gefeierte Gesellschaftspolitik. Die mit dieser Verschiebung einhergehende Austrocknung des Sozialen Wohnungsbaus ist beredt genug.

Das Bauen für arme Menschen hieß gerne "Schlichtwohnung" – sollte heißen: Dach über dem Kopf, einfach, aber ordentlich und sauber. Billig, technisch und funktional weit unterhalb des Niveaus, das gesellschaftlich jeweils erreicht war. Die Alternative für so schlichtes Wohnen war und ist vernachlässigter, marode und verschlissen zurückgelassener Raum – Schrotthäuser wird heute schnell gesagt (oft, um neue Vertreibung vorzubereiten). "Schrottviertel" wachsen trotz oder wegen aller Stadt- und Sozialprogramme.

Den Raum, ihr eigenes Leben leben zu können, mussten sich Unterbezahlte, Erwerbs- und Mittellose, An-den-Rand-Gedrängte und Flüchtlinge immer erst erobern. In alternden Quartieren waren und sind solche Räume zu finden. In leergeräumtem und hochglänzend neu bebautem Gelände sind auch diese Chancen beseitigt. Es geht nicht nur um Vertreiben, sondern auch darum, Rückkehr zu verhindern.     

Nun heißt die Totschlagfrage: Wie sollen wir es anders machen? Alle sagen sozialer, viele sagen gerechter, einige sagen demokratischer.

Wollte man wirklich etwas ändern, bräuchte man zunächst eine Idee von sozialem, gerechtem, demokratischem Zusammenhalt einer (Stadt)-Gesellschaft, die mehr ist als das Interessengerangel und –gekungel der lokalen Eliten und die sich auflehnt gegen die Zugriffe des großen Finanzkapitals. In den Werbebroschüren der Banken und Sparkassen, der Bau- und Entwicklungsgesellschaften ist die untere Hälfte der Gesellschaft wegretuschiert, samt ihren Kindern, Jugendlichen und Alten. Es gibt sie nicht, auch nicht in den Flyern der PHOENIX-Entwicklungsgesellschaft – aber "Weglächeln", wie die Hochglanzfotos suggerieren, ist nicht die Lösung. Sondern Teil des Problems.

Wollte die (Stadt)-Gesellschaft wirklich etwas ändern, bräuchte sie neben der genannten Idee die Wiederentdeckung des Respekts für jede Gruppe, vor allem für die ganz unten. Und die Instrumente zu radikaler Umverteilung von oben nach unten, für Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit/ Schwesterlichkeit. Letztlich braucht es den Abschied von der Schutzbehauptung: "Es gibt keine Alternative".

 

(zurück)

Die Wochenzeitung uz - unsere zeit - ist unverzichtbar, denn sie schreibt dort weiter, wo andere Medien längst schweigen.

Sie ist die Kommunistische unter den Linken, wird durch die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) bereits im 43. Jahrgang herausgegeben.

> Die uz testen

oder abonnieren <

Die Position ist das Magazin der SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend). 

> Probeabo bestellen oder  gleich abonnieren <

Druckversion Druckversion | Sitemap
© DKP Dortmund